«Wir sind hier nicht in Saskatchewan» – Kanadische Curler schiessen gegen den Weltverband
Es ist der grosse Curling-Skandal an diesen Olympischen Spielen: Als das kanadische Team am letzten Freitag auf Schweden traf, reklamierten die Skandinavier, dass es bei den Abgaben von Kanadas Marc Kennedy zu Doppelberührungen kam. Daraufhin kam es zu einer verbalen Auseinandersetzung zwischen den Spielern. «Wer macht das? Wer? Ich habe das kein einziges Mal gemacht. Verpiss dich», sagte der sichtlich angefressene Kennedy, als er mit den Vorwürfen konfrontiert wurde. Videos und Bilder zeigten jedoch, wie der kanadische «Third» dem Stein nach der Abgabe mit dem Finger einen leichten Stoss gab.
Canada vs Sweden in Curling
— L (@leiiilic) February 13, 2026
The video from the side when they double touched the stone. Is this not against the rules? pic.twitter.com/jU5r9i1m26
Als die Schweizer einen Tag später ebenfalls auf die Nordamerikaner trafen, kam es erneut zu Betrugsvorwürfen. Auch der Schiedsrichter hatte die Doppelberührung gesehen, griff – anders als beim Frauenspiel zwischen der Schweiz und Kanada – allerdings nicht ein. Der Stein von Skip Rachel Homan wurde entfernt, weil sie den Granit berührt hatte.
Am Samstag reagierte der Curling-Weltverband und entschied sich dazu, zwei Schiedsrichter an den vier Bahnen abzustellen, welche die Abgaben stärker kontrollieren. Kennedy war gemäss der Deutschen Presse-Agentur alles andere als begeistert davon: «Es ist unglücklich, dass Athletinnen und Athleten mitten während eines olympischen Wettbewerbs ihre Abgabe ändern müssen.»
Auch der kanadische Trainer Paul Webster war genervt von den Anpassungen. Er halte es für den falschen Weg, dass während Olympia versucht wird, etwas an den Regeln zu reparieren. Ein zusätzliches Ärgernis für Webster ist, dass die Offiziellen nicht für diese Massnahmen geschult wurden. «Wir sind hier nicht bei irgendeinem Curling-Turnier in Saskatchewan und probieren etwas aus. Wir sind bei Olympischen Spielen», regte sich der kanadische Trainer fürchterlich darüber auf.
So schnell wie die neue Überwachungsmassnahme eingeführt wurde, so schnell entschied sich der Curling-Weltverband wieder dagegen. In Zukunft werden nur noch Unparteiische an die Hogline gesetzt, wenn dies von den Spielern effektiv gewünscht wird.
Während viel über den Doppelberührungsskandal gesprochen wurde, läuft es derweil für die Schweizer Curling-Teams nach Plan. Sowohl die Männer, welche bisher jedes ihrer fünf Spiele gewinnen konnten, als auch die Frauen mit einer Bilanz von vier Siegen und zwei Niederlagen sind aktuell auf Halbfinalkurs. Beide Teams stehen am heutigen Dienstag wieder im Einsatz. (riz)
